Erst spät in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sollte es den Gestaltern des nordfriesischen Vereinswesens gelingen, den Ballast der nationalstaatlichen Orientierung weitestgehend abzuwerfen. Geblieben ist bis heute die Trennung in zwei verschieden orientierte und organisierte Hauptvereine.
Neben der leidigen Auseinandersetzung zwischen "deutschen" und "dänischen" Friesen begünstigten eine Reihe weiterer Faktoren eine Zersplitterung des Vereinswesens. Schon die Bezeichnung "Die Nordfriesen" führt gewissermaßen in die Irre, denn eine Gebietskörperschaft dieses Namens existiert erst seit der Kreisreform von 1970. Daher suggeriert dieser Begriff eine Zusammengehörigkeit, die, sei sie nun realpolitischer oder soziologischer Natur, weder im Mittelalter noch in der Neuzeit jemals Bestand hatte. Die Landschaft Nordfriesland gliederte sich vielmehr über Jahrhunderte hinweg sehr kleinräumig. Ihre Einwohner verstanden sich als Mitglieder einer Gemeinschaft, die in der Regel nicht mehr als eine einzelne Harde oder eine Insel umfasste. Ein Bewusstsein der Gemeinsamkeit existierte nur in Ausnahmefällen. Dazu fehlten allerdings auch alle notwendigen Voraussetzungen. Die nicht vorhandene gemeinsame politische Bezugsgröße begünstigte die Entwicklung abgeschlossener Gesellschaften ebenso wie die Kleinräumigkeit und Unzugänglichkeit der Landschaft und das Fehlen eines kulturellen Zentrums, auf das sich die Identifikation aller Einwohner hätte richten können. Die heterogene Gliederung und besondere Lage der Region schlug sich daher auch in der Entwicklung des Vereinswesens nieder.


 
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